Micron Document
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(136199) Eris
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(136199) Eris (IPA: [] ; frĂŒhere Bezeichnung 2003 UB313) ist der massereichste und nach Pluto zweitgrĂ¶ĂŸte bekannte Zwergplanet des Sonnensystems. Eris zĂ€hlt zu den Plutoiden, einer Unterklasse von Zwergplaneten, die jenseits der Neptunbahn die Sonne umrunden. Eris ist (Stand 2019) das grĂ¶ĂŸte erfasste Objekt im Sonnensystem, welches noch nie von einer Raumsonde untersucht wurde; bekannt ist ein Mond namens Dysnomia.

Der Zwergplanet ist nach Eris benannt, der griechischen Göttin der Zwietracht und des Streits. Nach der Bekanntgabe ihrer Entdeckung am 29. Juli 2005 bezeichneten die NASA und viele Medien dieses transneptunische Objekt mit einem Ă€hnlichen Durchmesser wie Pluto zunĂ€chst als „zehnten Planeten“. Die Internationale Astronomische Union (IAU) verabschiedete allerdings am 24. August 2006 eine neue Planetendefinition, nach der Eris, genauso wie Pluto, als Zwergplanet klassifiziert wurde.

Contents

‱ Umlaufbahn
‱ Rotation
‱ Aufbau
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Entdeckung und Benennung

Entdeckungsgeschichte

Eris wurde von einem Astronomenteam, bestehend aus Mike Brown (CalTech), Chad Trujillo (Gemini-Observatorium) und Dave Rabinowitz (Yale-UniversitĂ€t), auf CCD-Aufnahmen vom 21. Oktober 2003 des 1,2-m-Oschin-Schmidt-Teleskops am Palomar-Observatorium (Kalifornien) entdeckt. Weil das Objekt sich langsam bewegt, war es bei der ersten Verarbeitung der Bilder ĂŒbersehen worden, denn das automatische Bildsuchprogramm hatte zur Verringerung falsch positiver Meldungen alle Objekte ausgeschlossen, die sich langsamer als mit 1,5 Bogensekunden pro Stunde bewegen. Als 2003 Sedna entdeckt wurde, bewegte diese sich mit 1,75 Bogensekunden pro Stunde. Bei einer neuen Auswertung der Daten suchte das Team daher mit bloßem Auge und fand am 5. Januar 2005 jenseits des KuipergĂŒrtels Eris.

Es war geplant, den Fund erst nach weiteren Beobachtungen und genauerer Bestimmung der Bahnelemente zu veröffentlichen. Nachdem aber bekannt geworden war, dass ĂŒber eine öffentliche Webseite jeder Interessierte die Ausrichtung eines der Teleskope abfragen konnte, gingen die Forscher am 29. Juli 2005 vorzeitig an die Öffentlichkeit und gaben die Entdeckung bekannt.cite-ref-nasa20050729-6-0[6]cite-ref-iauc8577-7-0[7]cite-ref-mpec2005o41-8-0[8] Hintergrund fĂŒr diese Entscheidung war, dass nur 19 Stunden zuvor ein Team spanischer Astronomen ihre Entdeckung von Haumea veröffentlicht hatte, die von der Gruppe um Brown bereits im Jahr 2004 gefunden, aber noch nicht bekannt gemacht worden war. Browns Gruppe konnte so am selben Tag die Entdeckung von drei großen Objekten im KuipergĂŒrtel der Öffentlichkeit vorstellen: Eris, Haumea und Makemake.

Eris war die achte Entdeckung eines großen TNO und wahrscheinlichen Zwergplaneten des Astronomenteams um Mike Brown. Browns Team entdeckte nacheinander Quaoar und Máni (2002), Sedna (2003) und Haumea (2003, umstritten), Orcus und Salacia (2004) und dann Eris; darauf folgten noch Makemake (2005) sowie Gonggong (2007).

Nach ihrer Entdeckung ließ sich Eris auf Fotos bis zum 3. September 1954, die im Rahmen des Digitized-Sky-Survey-Programmes ebenfalls am Palomar-Observatorium gemacht wurden, zurĂŒckgehend identifizieren. Damit wurde der Beobachtungszeitraum um 51 Jahre verlĂ€ngert, so dass man ihre Umlaufbahn so genau berechnen konnte, dass die Bahndaten heute als sehr sicher bestimmt gelten. Im Oktober 2018 lagen insgesamt 1089 Beobachtungen ĂŒber einen Zeitraum von 64 Jahren vor. Die bisher letzte Beobachtung wurde im Februar 2019 am ATLAS-Teleskop des Haleakalā-Observatoriums (Maui) durchgefĂŒhrt.cite-ref-jpl-1-1[1]cite-ref-mpc-9-0[9] (Stand 6. MĂ€rz 2019)

Benennung und Symbol

Mit der Entdeckungsveröffentlichung wurde von der IAU fĂŒr Eris die provisorische Bezeichnung 2003 UB313 vergeben.cite-ref-iauc8577-7-1[7] Sie folgt den ĂŒblichen Regeln zur Benennung von Asteroiden und drĂŒckt nur kodiert aus, dass Eris in der zweiten OktoberhĂ€lfte (U) des Jahres 2003 entdeckt wurde, und zwar nach der Reihenfolge als 7827. gefundenes Objekt (B313). Die Arbeitsgruppe der Entdecker nannte Eris zunĂ€chst intern und inoffiziell „Xena“ und ihren Mond „Gabrielle“, nach zwei Rollennamen aus der Fernsehserie Xena – Die Kriegerprinzessin.

Dem folgte auf Einreichen des Vorschlags des Entdeckerteams am 6. September 2006 die Vergabe des dauerhaften Namens: Am 13. September 2006 – gleichzeitig wie Pluto – erhielt 2003 UB313 von der IAU die Kleinplaneten-Nummer 136199 und gleichzeitig den Namen Eris, ihr Mond den Namen Dysnomia.cite-ref-iauc8747-10-0[10]cite-ref-mps135001-11-0[11]cite-ref-mpcarchive-12-0[12] Die Namensvergabe erfolgte gemĂ€ĂŸ den Benennungsprotokollen der IAU fĂŒr Planetoiden.

In der griechischen Mythologie ist Eris die Göttin der Zwietracht und des Streits, deren Intrige den Trojanischen Krieg auslöst. Ihre Tochter, die DĂ€monin der Gesetzlosigkeit, heißt Dysnomia. Beide Namen geben einen Hinweis auf die erbitterte Kontroverse, die nach ihrer Entdeckung schließlich zur Neudefinition des Begriffs „Planet“ und der Aberkennung des Planetenstatus von Pluto fĂŒhrte. Ein weiterer Bezug besteht zur ursprĂŒnglich gewĂ€hlten Arbeitsbezeichnung „Xena“. Die Filmfigur Xena wurde von der Schauspielerin Lucy Lawless verkörpert. Lawlessness ist der englische Begriff fĂŒr Gesetzlosigkeit, worauf die Vergabe des Namens Dysnomia anspielt.cite-ref-kuffner-13-0[13]

Im Gegensatz zu Pluto haben andere Zwergplaneten und Asteroiden, einschließlich Eris, kein allgemein verwendetes astronomisches Symbol, obwohl ein Symbol fĂŒr Eris von der NASA verwendet wurde: das diskordianische Symbol Hand der Eris ().cite-ref-14[14] Von der Verwendung von Planetensymbolen rĂ€t die Internationale Astronomische Union (IAU) offiziell ab; sie spielen in der modernen Astronomie nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Bahneigenschaften

Umlaufbahn

Eris bewegt sich auf einer elliptischen Umlaufbahn mit einer großen Halbachse von 68,05 AE bei einer ExzentrizitĂ€t von 0,4357 Grad um die Sonne. Die Sonnenentfernung liegt damit zwischen 38,402 AE und 97,69852 AE. Ein Umlauf um die Sonne dauert 561 Jahre. Seinen sonnennĂ€chsten Punkt erreichte Eris am 2. April 1696. Die Bahn ist 43,8 Grad gegen die Ekliptik geneigt.

Die Bahn ist also stark exzentrisch. Am 13. Februar 2020 lag die Sonnenentfernung bei genau 96 Astronomische Einheiten (14,4 Milliarden Kilometer). Am 2. September 2031 wird die Sonnenentfernung 95 AE unterschreiten. Man rechnet sie wegen ihrer großen ExzentrizitĂ€t bahndynamisch zu den sogenannten „gestreuten“ KuipergĂŒrtelobjekten (SDO), einer Untergruppe von transneptunischen Asteroiden.

AuffĂ€llig ist die starke Bahnneigung, was fĂŒr einen Körper dieser GrĂ¶ĂŸe recht ungewöhnlich ist und wahrscheinlich die Entdeckung hinauszögerte. Die meisten Suchprogramme fĂŒr Kuiper Belt Objects (KBOs) oder andere Asteroiden beschrĂ€nken sich auf Positionen in der ungefĂ€hren Umgebung der Ekliptik, da dort der Großteil der Materie des Sonnensystems konzentriert ist. Möglicherweise wurde Eris durch den gravitativen Einfluss Neptuns in diese Bahn gelenkt.

Eris galt seit ihrer Entdeckung – von einigen viel kleineren langperiodischen Kometen abgesehen – als das entfernteste entdeckte Objekt, bis sie 2018 in diesem Bereich von 2018 VG18 (124,8 AE) abgelöst wurde. Auch wird Eris 2045 bezĂŒglich der Sonnenentfernung von Gonggong ĂŒberholt werden. Eris ist jedoch weit davon entfernt, das Objekt mit der weitesten bekannten Umlaufbahn zu sein, da ihre große Halbachse auf „nur“ 67,7 AE geschĂ€tzt wird, wĂ€hrend die Halbachse des derzeitigen (Stand 2019) Rekordhalters 2014 FE72 etwa 1505 AE betrĂ€gt. Es gibt etwa 40 bekannte TNO, wie etwa Sedna (84,9 AE), 2006 SQ372 und 2000 OO67, die der Sonne gegenwĂ€rtig (Stand 2019) nĂ€her stehen als Eris, obwohl deren Halbachsen grĂ¶ĂŸer sind. In etwa 800 Jahren wird Eris der Sonne fĂŒr einige Zeit nĂ€her stehen als Pluto.

Aufgrund der hohen Bahnneigung passiert Eris auf ihrer Bahn nur wenige Sternbilder im traditionellen Tierkreis; gegenwĂ€rtig (Stand 2019) befindet sie sich am SĂŒdhimmel im Sternbild Walfisch. Von 1876 bis 1929 befand sie sich im Bildhauer und zuvor von etwa 1840 bis 1875 im Phönix. Ab 2036 wird sie sich im Sternbild Fische befinden und ab 2065 dann ins Sternbild Widder eintreten. Ab da passiert sie die Ekliptik in Richtung Nordhimmel, wo sie ab 2128 ins Sternbild Perseus wechseln wird und 2173 ins Sternbild Giraffe, wo sie ihre nördlichste Position erreichen wird.

| Entfernung | wird erreicht am |
|---|---|
| 95,7 AU | 26. Dez. 2023 |
| 95,6 AU | 26. Feb. 2025 |
| 95,5 AU | 14. Apr. 2026 |
| 95,4 AU | 22. Mai 2027 |

| Entfernung | wird erreicht am |
|---|---|
| 95,3 AU | 22. Juni 2028 |
| 95,2 AU | 19. Juli 2029 |
| 95,1 AU | 13. Aug. 2030 |
| 95,0 AU | 2. Sep. 2031 |

Bahndynamische Einordnung

Sowohl Marc Buie (DES) als auch das Minor Planet Center klassifizieren den Planetoiden als SDO;cite-ref-buie-15-0[15]cite-ref-mpecsdolist-16-0[16]cite-ref-mpc2010list-17-0[17]cite-ref-johnstonlist-18-0[18] letzteres fĂŒhrt ihn auch allgemein als Distant Object.cite-ref-jpl-1-2[1]

SDO sind Objekte, die durch gravitative Interaktionen mit dem Planeten Neptun in der FrĂŒhphase des Sonnensystems von ursprĂŒnglichen Bahnen im KuipergĂŒrtel auf entferntere und ungewöhnliche Umlaufbahnen gelangt sind. Obschon Eris’ hohe Bahnneigung selbst fĂŒr ein SDO ungewöhnlich ist, weisen theoretische Modelle darauf hin, dass Objekte, die sich ursprĂŒnglich am inneren Rand des KuipergĂŒrtels befanden, auf höher geneigte Umlaufbahnen gelangt sind als Objekte des Ă€ußeren Randes.cite-ref-gomes2005-19-0[19] FĂŒr die Objekte des inneren KuipergĂŒrtels wird generell eine höhere Masse als Objekte des Ă€ußeren GĂŒrtels erwartet, daher erwarten Astronomen, grĂ¶ĂŸere Planetoiden auf hochgeneigten Umlaufbahnen zu finden, was ĂŒbliche Durchmusterungen zur Planetensuche traditionell vernachlĂ€ssigten.

Physikalische Eigenschaften

GrĂ¶ĂŸe und Masse

Am 5. November 2010 konnte die GrĂ¶ĂŸe von Eris durch eine Okkultation mit 2326 ± 12 km Durchmesser recht genau bestimmt werden. Die Bedeckung war in Chile sichtbar und wurde von drei Teleskopen aufgezeichnet. Der Durchmesser ergibt sich aus den Bedeckungszeiten und den AbstĂ€nden der Teleskope quer zur Beobachtungslinie.cite-ref-beattykelly-20-0[20] Dies ergibt eine Albedo von 0,96, die höher ist als bei jedem anderen großen Körper im Sonnensystem, mit Ausnahme von Enceladus, der eine ReflektivitĂ€t von sogar 0,99 besitzt. Eris besitzt demnach weitgehend Kugelgestalt und galt damals als etwas grĂ¶ĂŸer als Pluto, dessen Durchmesser auf 2306 km geschĂ€tzt wurde.cite-ref-sicardy2011-4-1[4]cite-ref-sicardy2011-2-21-0[21]cite-ref-astronews-22-0[22] Mit der genaueren Vermessung von Pluto durch die Sonde New Horizons im Juli 2015 wurde der Durchmesser von Pluto auf 2374 km bestimmt, der daher um ein Geringes grĂ¶ĂŸer als Eris ist.cite-ref-plutofact-23-0[23] Mike Brown geht dagegen noch immer davon aus, dass Eris mit 2330 km grĂ¶ĂŸer als Pluto mit 2329 km sei, basierend auf einer Albedo von ebenfalls 0,99 wie Enceladus und einer absoluten Helligkeit von −1,1 m.cite-ref-brownlist-24-0[24] Die absolute Helligkeit von Eris betrĂ€gt nach derzeitigem (2019) Wissensstand −1,17 +0,06−0,11 m.

Die Masse von Eris konnte durch die Bewegung des Mondes Dysnomia mit einiger PrĂ€zision berechnet werden: auf Basis der derzeit (Stand 2023) akzeptierten Umlaufperiode von Dysnomia von 15,8 Tagen betrĂ€gt ihre Masse etwa 0,27 % der Erdmasse; andererseits besitzt Eris etwa 27 % mehr Masse als Pluto, obschon dieser den grĂ¶ĂŸeren Durchmesser aufweist. BezĂŒglich ihrer Masse rangiert Eris unter den Himmelskörpern, die die Sonne direkt umkreisen, auf dem neunten Rang und auf dem 16. Rang im gesamten Sonnensystem, da sieben Monde eine höhere Masse als Eris aufweisen. Daraus ergibt sich eine vergleichsweise hohe mittlere Dichte von 2,52 g/cmÂł, womit Eris wesentlich dichter als Pluto ist und ihr Gesteinsanteil daher höher sein muss.

Zur Geschichte der GrĂ¶ĂŸenbestimmung

Um die GrĂ¶ĂŸe eines Objekts aus der scheinbaren Helligkeit zu bestimmen, die bei Eris an ihrer gegenwĂ€rtigen (Stand 2019) Position etwa 18,8m betrĂ€gt,cite-ref-astdys-5-1[5] mĂŒssen sowohl seine Entfernung als auch seine Albedo (RĂŒckstrahlvermögen) bekannt sein. Dann lĂ€sst sich seine GrĂ¶ĂŸe berechnen; eine geringere Albedo fĂŒhrt bei gleicher scheinbarer Helligkeit zu einem grĂ¶ĂŸeren Wert des Durchmessers. Selbst bei einer höchstmöglichen Albedo von 1, also wenn sie sĂ€mtliches Licht reflektieren wĂŒrde, wĂ€re Eris nach Browns Berechnungen noch mindestens genauso groß wie Pluto damals geschĂ€tzt wurde. Da sie vom Spitzer-Weltraumteleskop nicht gefunden wurde, hieß es in ersten Meldungen, ihr Durchmesser mĂŒsse unter 3200 Kilometer liegen. Inzwischen stellte sich heraus, dass das Teleskop durch einen Bedienungsfehler nicht auf das Objekt ausgerichtet war.

Die erste zuverlĂ€ssige Messung der GrĂ¶ĂŸe gelang Anfang 2005 Radioastronomen des Max-Planck-Instituts fĂŒr Radioastronomie in Bonn. Mithilfe des IRAM-Radioteleskops am Pico del Veleta in SĂŒdspanien maßen sie die WĂ€rmestrahlung von Eris. In Kombination mit optischen Beobachtungen wurde die Albedo auf 0,60 ± 0,11 und daraus der Durchmesser auf 3000 ± 320 Kilometer eingegrenzt.cite-ref-mpi20060201-25-0[25]

Das Entdeckerteam erhielt 2005 Beobachtungszeit auf dem Hubble-Weltraumteleskop. Obwohl das GerĂ€t bei einem Winkeldurchmesser eines Objektes von nur 0,035 Bogensekunden bereits an die Grenzen seiner LeistungsfĂ€higkeit stĂ¶ĂŸt, gelang es dem Team von Brown mittels Dekonvolution, die GrĂ¶ĂŸe von Eris auf 2400 ± 100 Kilometer zu bestimmen. Demzufolge war Eris kleiner als vorhergehende Messungen es vermuten ließen, etwa gleich groß wie Pluto. Hier wurde die Albedo von Eris zu 0,85 ± 0,07 bestimmt.cite-ref-brown2006-26-0[26] 2010 folgte dann die Sternbedeckung, durch die ihre GrĂ¶ĂŸe dann zu 2326 km bestimmt werden konnte.

| Jahr | Durchmesser (km) | Daten-Quelle |
|---|---|---|
| 2006 | 3000,0 ± 400,0 (System) | Bertoldi u. a. [ 27 ] |
| 2006 | 2400,0 ± 100,0 | Brown u. a. [ 26 ] |
| 2007 | 2400,0 ± 100,0 | Brown u. a. [ 3 ] |
| 2008 | 2400,0 | Tancredi [ 28 ] |
| 2010 | 2600,0 | Tancredi [ 29 ] |
| 2010 | <2320,0 | Maury u. a. [ 30 ] |
| 2011 | 3263,4 (System) 3260,0 ± 740 | Grundy u. a. [ 31 ] |
| 2011 | 2326,0 ± 12,0 | Sicardy u. a. [ 21 ] |
| 2012 | 2434,0 ± 117,0 2356,0 ± 117,0 | Santos-Sanz u. a. [ 32 ] |
| 2013 | 2700,0 | LightCurve DataBase [ 33 ] |
| 2018 | 2429,0 | Brown u. a. [ 34 ] |
| 2018 | 2330,0 | Brown [ 24 ] |
| Die prÀziseste Bestimmung ist fett markiert. | Die prÀziseste Bestimmung ist fett markiert. | Die prÀziseste Bestimmung ist fett markiert. |

Physikalische Einordnung: Der zehnte Planet?

Die Medien bezeichneten Eris, wie bereits Quaoar und Sedna, als „zehnten Planeten“ (→ Transpluto).cite-ref-tytell-35-0[35]cite-ref-britt-36-0[36] Die Entdecker und die NASA hielten es genauso. Eine solche Einordnung erschien aus Sicht der Experten plausibel, denn einerseits schien Eris sogar grĂ¶ĂŸer als Pluto zu sein, und andererseits waren fĂŒr den Planetenstatus des letzteren bereits Merkmale der Planetendefinition – Schranken fĂŒr die ExzentrizitĂ€t sowie die Bedingung, dass ein Planet eine grĂ¶ĂŸere Masse als alle anderen Objekte in seinem Orbit zusammen haben mĂŒsse – ignoriert worden. Doch neigten viele Astronomen schon seit Ende der 1990er dazu, Pluto selbst nicht mehr zu den Planeten zu zĂ€hlen; sie bezeichneten ihn stattdessen als das bis dahin grĂ¶ĂŸte transneptunische Objekt. Die Entdeckung von Eris entfachte von neuem die Debatte, nach welchen Merkmalen Himmelskörper als Planeten zĂ€hlen sollen.

Die 26. Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union im August 2006 in Prag verabschiedete daraufhin eine neue offizielle Definition fĂŒr Planeten und Zwergplaneten. Demnach gelten Eris, Pluto und Ceres nun als Zwergplaneten. Der Status von Sedna und Quaoar ist noch ungeklĂ€rt. Gleichzeitig definierte man eine Unterklasse fĂŒr transneptunische Zwergplaneten, die anfangs Plutonen genannt werden sollten. Diese Bezeichnung wurde noch zugunsten der neuen Bezeichnung Plutoiden verworfen, zu denen man neben Eris nun auch den Namensgeber Pluto rechnet.

Rotation

Anhand von mehrjĂ€hrigen Lichtkurvenbeobachtungen rotiert Eris in 15 Tagen, 18 Stunden und 31,7 Minuten einmal um ihre Achse.cite-ref-szak-ts2023-37-0[37]cite-ref-bernstein2023-38-0[38] Daraus ergibt sich, dass sie in einem Eris-Jahr 12973 Eigendrehungen („Tage“) vollfĂŒhrt. Sie befindet sich damit in doppelt gebundener Rotation mit ihrem Mond Dysnomia, ganz entsprechend den VerhĂ€ltnissen im Pluto-Charon-System. FrĂŒhere Beobachtungen hatten auf eine erheblich kĂŒrzere Eigenrotation des Zwergplaneten hingedeutet, mit Werten zwischen 8 und 32,5 Stunden.cite-ref-roe2008-39-0[39]cite-ref-duffard2008-40-0[40]cite-ref-iauc8596-41-0[41]

Die aktuellen (Stand 2019) Farbindexe betragen B-V= 0,750 ± 0,020,cite-ref-tegler2016-42-0[42] V-R= 0,430 ± 0,020,cite-ref-tegler2016-42-1[42] V-I = 0,780 ± 0,010,cite-ref-belskaya2015-43-0[43] B-R= 1,180 ± 0,020.cite-ref-tegler2016-42-2[42]

OberflÀche und AtmosphÀre

Eris ist groß genug, um eine sehr dĂŒnne AtmosphĂ€re aus Stickstoff, Methan oder Kohlenmonoxid halten zu können. Diese wĂŒrde Ă€hnlich wie bei Pluto periodisch mit steigendem Sonnenabstand und damit dem Absinken der OberflĂ€chentemperatur auf der OberflĂ€che resublimieren, beim erneuten Ansteigen der Temperatur wieder sublimieren und erneut eine AtmosphĂ€re bilden. Spektroskopische Beobachtungen am Gemini-Observatorium auf Hawaii durch das Entdeckerteam am 25. Januar 2005 weisen auf das Vorhandensein von gefrorenem Methan auf der OberflĂ€che von Eris hin. Weiterhin konnte an der OberflĂ€che gefrorener Stickstoff nachgewiesen werden, wobei sich dessen Konzentration nach Untersuchungen mit dem „Multiple Mirror Telescope“ auf dem Mount Hopkins in Arizona zwischen 2005 und 2007 signifikant verĂ€nderte.cite-ref-weltderphysik-44-0[44]

Im Unterschied zum dunkleren, rötlichen Pluto oder Triton weist Eris eine helle, weiße FĂ€rbung auf. Plutos RotfĂ€rbung wird auf eine Bedeckung durch Ablagerungen von Tholine zurĂŒckgefĂŒhrt; wĂ€hrend sie die OberflĂ€che verdunkeln, fĂŒhrt die tiefere Albedo zu höheren Temperaturen und der Sublimation von Methanablagerungen. Die PrĂ€senz des hochgradig flĂŒchtigen Methans weist darauf hin, dass Eris sich schon immer in den entfernten Bereichen des Sonnensystems befunden haben muss, wo die Temperaturen kalt genug waren, um Methaneis auf der OberflĂ€che zu halten. In Eris’ weiter Entfernung zur Sonne kann Methan auch auf die OberflĂ€che in Gegenden mit niedrigerer Albedo kondensieren, so dass allfĂ€llige Tholinablagerungen ĂŒberdeckt wĂŒrden.cite-ref-brown2005-45-0[45]cite-ref-licandro2006-46-0[46] Man schĂ€tzt die OberflĂ€chentemperatur von Eris auf mindestens 30 K (etwa −243 °C) im Aphel.cite-ref-planetlila-47-0[47] Sie ist damit nochmals deutlich niedriger als die von Pluto. Ursachen sind vor allem die hohe Albedo von 99 % und die grĂ¶ĂŸere Entfernung zur Sonne. Eris erfĂ€hrt in einem Sonnenumlauf aufgrund ihrer BahnexzentrizitĂ€t eine Temperaturdifferenz von etwa 25 °C, was fĂŒr ein TNO recht ungewöhnlich ist. Da Eris sich derzeit (Stand 2019) sehr nahe an ihrem sonnenfernsten Punkt aufhĂ€lt, kann momentan keine AtmosphĂ€re vorhanden sein.

Ausgehend von einem Durchmesser von 2326 km ergibt sich eine GesamtoberflĂ€che von etwa 16.997.000 kmÂČ, was knapp der FlĂ€che Russlands entspricht. Eris ist zu weit entfernt, um mit den aktuell (Stand 2019) zur VerfĂŒgung stehenden Instrumenten OberflĂ€chendetails auf ihr ausmachen zu können.

Aufbau

Einige Quellen sprechen von einer Zusammensetzung aus ungefĂ€hr 70 Prozent Gestein und 30 Prozent gefrorenem Wasser. Damit zeigt Eris mehr Ähnlichkeit mit Pluto und seinem Mond Charon als mit den anderen KBOs; die aufgrund der geringen GrĂ¶ĂŸe vermutete hohe Albedo stĂŒtzt dies ebenfalls. Vor allem wegen des hohen RĂŒckstrahlvermögens wird spekuliert, ob das OberflĂ€cheneis aufgrund von TemperaturverĂ€nderungen durch die variable Entfernung zur Sonne durch interne Prozesse erneuert wird; aufgrund ihrer (im Vergleich zu geologisch aktiven Planeten wie der Erde) geringen GrĂ¶ĂŸe und ihrer Entstehung am Ă€ußeren Rand des Sonnensystems dĂŒrfte sie keine nennenswerten inneren Energiequellen besitzen. Die GezeitenwĂ€rme des Mondes Dysnomia könnte die Temperatur auch geringfĂŒgig beeinflussen, sollte diese eine dafĂŒr ausreichende Masse besitzen. Modelle ĂŒber innere Aufheizung durch radioaktiven Zerfall zeigen, dass Eris in der Lage sein könnte, einen Ozean aus flĂŒssigem Wasser unter ihrer OberflĂ€che aufrechtzuerhalten.cite-ref-hussmann2006-48-0[48]

Mögliche Erforschung durch Raumsonden

In den 2010ern wurden mehrere Studien vorgestellt, die im Zuge des erfolgreichen Pluto-Vorbeiflugs von New Horizons im Juli 2015 weitere Ziele zur Erforschung des KuipergĂŒrtels und des transneptunischen Bereichs insgesamt vorsahen, und Eris gehörte ebenfalls zu den Kandidaten.cite-ref-astrobiology2018-49-0[49]

2011 wurde berechnet, dass eine Vorbeiflugsmission zu Eris 24,66 Jahre benötigen wĂŒrde; dazu wĂ€re ein Swing-by an Jupiter vorgesehen, basierend auf Startdaten am 3. April 2032 oder am 7. April 2044. Eris wĂ€re bei Ankunft der Sonde dann 92,03 rsp. 90,19 AE von der Sonne entfernt. Die Sonde wĂŒrde Eris demnach 2056 bzw. 2068 erreichen.cite-ref-mcgranaghan2011-50-0[50]

Mond Dysnomia

→

Hauptartikel

:

Dysnomia (Mond)

Eris besitzt einen Mond namens Dysnomia, der am 10. September 2005 vom selben Team entdeckt wurde wie Eris und von der IAU im Oktober 2005 bekanntgegeben wurde.cite-ref-iauc8610-51-0[51] Da Dysnomia etwa den 500. Teil der Leuchtkraft von Eris besitzt, könnte der Durchmesser etwa bei 100 km liegen. Falls die Albedo von Dysnomia wesentlich kleiner wĂ€re als die von Eris, könnte der Durchmesser bis zu 350 km oder mehr betragen. Dysnomia benötigt fĂŒr einen Umlauf um den Zwergplaneten knapp 16 Tage, ihr Abstand zu Eris betrĂ€gt etwa 37.000 Kilometer.cite-ref-planetlilamoon-52-0[52]cite-ref-johnstonerisdysnomia-53-0[53]

| Komponenten | Physikalische Parameter | Physikalische Parameter | Physikalische Parameter | Bahnparameter | Bahnparameter | Bahnparameter | Bahnparameter | Entdeckung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Name | Durch- messer (km) | Relativ- grĂ¶ĂŸe (%) | Masse (kg) | Große Halbachse (km) | Umlauf- zeit (d) | Exzentri- zitĂ€t | Inklination zu Eris’ Äquator | Entdeckung / Veröffentlichung |
| (136199) Eris | 2326,0 | 100,00 | 1 . 67 e 22 | – | – | – | – | 5. Januar 2005 29. Juli 2005 |
| Dysnomia (Eris I) | 100–700 | ? | 1 e 19 | 37460 | 15,78586 | 0,004 | 61,1° | 10. September 2005 2. Oktober 2005 |

Siehe auch
Literatur

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‱ Mike Brown: Wie ich Pluto zur Strecke brachte. Und warum er es nicht anders verdient hat. Springer, Heidelberg 2012, ISBN 978-3-8274-2944-5.
‱ R. Vaas: Der zehnte Planet. In: Naturwissenschaftliche Rundschau. Nr. 1, 2006, S. 5–13.

Weblinks

Commons

: 136199 Eris

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Mike Browns Website ĂŒber 2003 UB313 (englisch)
‱ ESO: Eris, die ferne Zwillingsschwester des Pluto +Animationen – 26. Oktober 2011

Medienberichte

‱ Der zehnte Planet – oder auch nicht – Wie definiert man einen Planeten? Neuer Himmelskörper bringt frischen Schwung in alte Debatte
‱ Zehnter Planet „Xena“ hat einen Mond mit dem Spitznamen „Gabrielle“
‱ Meldung des ORF

Einzelnachweise

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